Dies ist eine Gastbeitragsserie des Autors Ignatz Rajher

Ich habe Ignatz Rajher ein paar Fragen zum Thema Influencermarketing gestellt und er hat diese so ausführlich und gut strukturiert beantwortet, dass wir beschlossen haben sein Autoreninterview als Gastbeitragsserie zu veröffentlichen.

Was ist ein Influencer?

Ein Influencer ist im Prinzip jemand im Social-Media Bereich dem andere Menschen folgen. Je höher die Followeranzahl (UND die Interaktion zu den Followern), desto höher auch der Einfluss auf diese. Influencer können dabei YouTuber, Blogger, Facebook-Page Betreiber, Instagram und Twitter Accounts sein. Selbst Pinterest-Influencer können dazu gehören. Für ein besseres Verständnis ordne ich diese hier mal in Makro-Influencer (große Reichweite) und Mikro-Influencer (kleine Reichweite) ein.

Makro-Influencer Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Große Reichweite (viele Zuschauer bzw. Abonnenten).

Nachteile:

  • Eine große „Streuung“ (nicht genau meiner Zielgruppe entsprechende Werbung).
  • Meist sehr teuer

Mikro-Influencer Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Sehr viel billiger!
  • Meist Chance auf unentdeckte Potenziale.
  • Lässt sich erkennen das der Influencer in Zukunft noch weiterwachsen wird, weil er/sie alles nach Lehrbuch zu machen scheint und nur noch den Faktor „Zeit“ berücksichtigen muss um noch bekannter zu werden? Dann wird eine Werbeinvestition hier auf kurz oder lang sich immer bezahlt machen. (Außerdem wird dir für wenig bis gar kein Geld, die Möglichkeit geboten in jemanden zu investieren der später einmal noch viel bekannter werden wird und somit eine erneute Zusammenarbeit zu einem späteren Zeitpunkt viel teurer ausfallen würde.)
  • Insofern man einen Influencer auswählt der GENAU die Zielgruppe anspricht mit der man sein Buch füttern will, wird eine „kleine“ Reichweite somit eine große Auswirkung haben. Weil die Klickrate sehr hoch sein wird.

Nachteile:

  • Im Gegensatz zu einem Makro-Influencer wird der Autor bzw. sein Buch deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Warum funktioniert Influencer Marketing?

Als Autor will man, dass sich das eigene Buch durch „Mundpropaganda“ verkauft, nicht wahr? Sprich „wie von alleine“. Was waren einige der letzten Bücher die du selbst gekauft und gelesen hast? Hast du sie „selbst“ gefunden oder wurden sie dir von einem/einer bekannten empfohlen?

In einem interessanten Gespräch reicht manchmal nur der Spruch „Ach übrigens. Hab dazu letztes das Buch „XYZ“ gelesen. Das solltest du dir mal anschauen“ aus. Dieser kleine „scheinbar“ nebensächliche Satz brennt dir den Titel des Buches ins Gehirn und nach einiger Zeit wirst du dich wieder daran erinnern. „Ach ja, ich sollte ja mal dieses eine Buch abchecken von dem mein/meine Bekannte/r letztens sprach“. Wenn dieses Buch dann noch auf der Verkaufsseite gute Bewertungen hat, steht einem Kauf meist nichts mehr im Weg.
Influencer-Marketing bedient sich genau dieser Psychologie. Entweder wird dein Buch (bzw. Produkt) nur mal eben in einem Nebensatz erwähnt oder sogar ein komplettes Video dazu gedreht. Das ist meiner Meinung nach wirkungsvoller als Leute, mit Werbung die den lese oder anschaue Fluss unterbricht zu „belästigen“. Verbindet man das Ganze noch mit hilfreichen Informationen oder einer interessanten Geschichte, dann zieht der Zuschauer (oder Leser bei z.B. Facebook etc.) auch einen Mehrwert aus der Werbung.

„Anstelle einer einseitigen Unterbrechung, geht es beim Web Marketing darum, am perfekten Zeitpunkt hilfreichen Content zu liefern, dann, wann der Kunde es braucht.“
– David Meerman Scott

Wie findet man den richtigen Influencer?

In allen Social-Media-Plätzen. Spezifisch für Bücher fokussiere ich mich immer auf Blog und YouTube-Channel Betreiber. Dabei können Influencer aber auch „ganz normale“ Menschen sein. Stell dir vor einer deiner Fans (Buch bereits gekauft, gelesen und vielleicht sogar rezensiert) schickt dir zum krönenden Abschluss eine Nachricht auf Facebook um sich bei dir zu bedanken und dir zu sagen wie toll er dein Buch doch fand. Wenn du anfängst eine Beziehung zum Leser aufzubauen und ihm/ihr z.B. dein nächstes Buch kostenlos zukommen lässt, dann kann dieser Fan auch zu einem Mikro-Influencer werden. Dieser Fan wird nämlich auch Facebook Freunde haben, denen er mit Sicherheit mitteilen wird was für eine tolle Person du doch bist, weil du ihm/ihr dein Buch geschenkt hast. Im besten Fall macht der Mikro-Fan-Influencer ein Bild von deinem Buch, postet dies mit einem Text wie z.B. „Hey seht mal was cooles heute Morgen in meinem Briefkasten lag“ auf Facebook. Und mit ein wenig Glück entstehen so viele Likes, Kommentare und „Shares“ das du aus einem einfachen Fan einen Mikro-Influencer gemacht hast. Sozusagen jemanden der alles und jedem sagt wie toll du doch bist und warum doch jeder dein Buch kaufen sollte. Klingt das toll? Für mich klingt das wie Musik in meinen Ohren.

Welche Kosten kommen beim Influences-Marketing auf einen Autor zu?

Im gerade genannten Beispiel wären das die einmaligen Druck- und Versandkosten (als KDP Nutzer). In manchen Fällen entstehen sogar gar keine Kosten. Zum Beispiel, wenn man einem Blogbetreiber mit geringer Reichweite dazu bringt sein Buch in Form eines Artikels zu rezensieren. In manchen Fällen reicht es dann sogar aus einfach das Buch als PDF Version per E-Mail zu verschicken. Sogar bei YouTube Kooperationen mit Mikro-Influenzern ist mir dies bereits „geglückt“.

Doch in den meisten Fällen muss man definitiv dafür zahlen. Dabei reichten meine Investitionen schon von 50 - 1500€. Bei welchem Influencer man wie viel zahlt ist von Person zu Person unterschiedlich. Doch habe ich bis jetzt jedes Mal meine Marketing-Ausgaben von innerhalb 1-2 Monaten um das zwei- bis vierfache zurückbekommen. Und das schönste daran? Auch wenn der „Verkaufs-Boost“ den man dadurch erhält nach ca. 2 -3 Wochen seine Spitzenwerte erreicht und danach langsam abfällt, bleibt der Post oder das Video immer noch bestehen und bringt mir alle paar Tage immer mal wieder neue Verkäufe ein. Zumindest wenn wir von Bloggern und YouTubern sprechen.

Für einen einzigen Post bei Instagram zahlen zu müssen und dieser bald von niemandem mehr gesehen wird, würde mir genauso viel bringen wie alle paar Monate mein Gesicht mit einem meiner Bücher in der Hand auf der Rückseite eines Busses kleben zu sehen.
Das bedeutet das meine Marketing-Strategie (um Verkäufe zu erzielen) darauf ausgelegt ist eine einmalige Zahlung zu tätigen und diesen Post oder dieses Video für die nächsten Monate, wenn nicht sogar Jahre, noch finden zu können. Bzw. geht es nicht darum, dass ich diese Werbung finde, sondern interessierte Leser meine Werbung von alleine finden. Vergessen wir nicht das YouTube immer noch die zweit größte Suchmaschine der Welt, nach Google ist.

Das „finden“ bringt uns zu einem weiteren Punkt:

Durch Kooperationen aus denen Artikel auf Webseiten oder Videos auf YouTube entstehen bietet sich dir die Möglichkeit an in langfristige Werbung zu investieren. Welche auch von potenziellen Lesern gefunden werden kann. Wenn wir uns mal Facebookwerbung betrachten dann ist es meist so, dass potenziellen Kunden deine Werbung ins Gesicht geklatscht wird und sie sich irgendwann völlig genervt von dir fühlen. Wenn sie zum ersten Mal mit deiner Werbung konfrontiert werden (oder eher belästigt), dann wird das Interesse nicht sehr groß an deinem Buch sein.

Warum? Weil sie dich nicht kennen und keine Verbindung zu dir aufgebaut haben. Anders wird es aber mit den Influencern sein mit denen du eine Kooperation eingehst. Diese haben über einen langen Zeitraum bereits vertrauen und eine Bindung zu ihren Lesern und Zuschauern aufgebaut. Wenn wir dabei noch die „1000-Hardcore-Fans“-Regel mit einbeziehen, dann ist es auch kein Wunder mehr das man dadurch leichter Verkäufe durch sein Werbebudget herausbekommt. Das Ganze könnte man natürlich auch mit einem eigenen Blog oder einem eigenen YouTube Channel erreichen. An letzterem arbeite ich zurzeit.
Doch ist dies ein langwieriger Prozess, verbunden mit viel Einsatz, Arbeit, Energie und sogar Geld. Man bedenke dabei nur mal das ganze Equipment, dass benötigt wird, um hochauflösende Videos zu erstellen.

Anstatt sich also die ganze Mühe zu machen selbst zu einem Influencer zu werden, der seine eigene Marke und Produkte an interessierte Zuschauer und Leser bringt, zapfen wir durch Influencer-Marketing die Macht von Personen an die solch ein Level bereits erreicht haben. Die meisten von ihnen brauchten Jahre dafür solch ein Level zu erreichen. Deswegen würde ich jedem Einsteiger in dieses Thema empfehlen Influencer zu nutzen, anstatt sich zu Beginn selbst etwas aufzubauen. Sobald die ersten Erfolge erkennbar sind, sollte man mit der Zeit daran arbeiten seine eigene Homepage, oder YouTube Channel, oder Facebook Seite, Pinterest, Twitter oder Instagram Account aufzubauen. Persönlich entschied ich mich vor längerem mit YouTube anzufangen, obwohl ich weiß das es mich wohl eine Menge Arbeit und ca. 2-3 Jahre kosten wird - bis ich ein vergleichbares Level erreiche. Doch auf lange Sicht ist das meiner Meinung  nach die einzig richtige Entscheidung. Wenn ich es leicht haben will Neu-Veröffentlichungen zu bewerben. Alle 3-4 Monate ein Buch zu präsentieren sollte dabei eine Regelmäßigkeit darstellen, welche nicht „belästigend“ wirkt.

Weitere Artikel folgen:

Gastbeitrag 2 von Ignatz Rajher Buchmarketing via YouTube Influencer

Gastbeitrag 3 von Ignatz Rajher Wie sich Influencer Marketingmaßnahmen auszahlen

Ignatz Rajher im Netz

        

 

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