Dies ist eine Gastbeitragsserie des Autors Ignatz Rajher

Ich habe Ignatz Rajher ein paar Fragen zum Thema Onlinemarketing gestellt und er hat diese so ausführlich und gut strukturiert beantwortet, dass wir beschlossen haben sein Autoreninterview als Gastbeitrag zu veröffentlichen.

Bisher erschienen:

Helen:

Welche Aspekte des Onlinemarketings sind für dich als Autor wichtig?

Seine Zielgruppe zu kennen und zu wissen wo man diese auffinden kann gehört wohl zu den wichtigsten Aspekten. Man muss wissen an welchen Orten und auf welchen Plattformen sich seine Zielgruppe aufhält um wirklich effektiv Marketing betreiben zu können. Hat man vor den Bestsellerrang zu erklimmen zählt Timing dabei auch eine wichtige Rolle. Wenn man z.B. abschätzen kann das der Bestseller seiner „Konkurrenz“ pro Tag ca. 20-25 Bücher in einer bestimmten Kategorie verkauft. Dann rate ich dazu 2-3 Kooperationen gleichzeitig zu starten und die Veröffentlichungen so zu timen, dass sie alle am selben Tag und am besten noch zur selben Zeit live gehen.

Helen:

Wie findest du deine Zielgruppe? (Zum Beitrag: Wie man als Autor seine Zielgruppe findet)

Ignatz:

Indem ich meine Zielgruppe kennenlerne: Nur das Geschlecht und Alter meiner Zielgruppe zu kennen reicht da nicht aus. Was sind ihre Interessen? Was sind ihre Abneigungen? Lesen oder schauen sie lieber Videos? Vielleicht hören sie aber auch lieber Podcasts?

Daraufhin suche ich nach den Orten an welchen sich meine Zielgruppe befindet. Treffen sie sich lieber in online Gruppen oder werde ich sie eher in live-events vorfinden?  Google ist dabei mein bester Freund. Ich checke YouTube Channel, Twitter Accounts, Blogs, Facebook-Gruppen, Facebook Pages und Instagram Accounts. Wobei letzteres von mir bisher noch nicht verwendet wurde. Werde dies aber noch testen!

„Wir müssen aufhören, Leute bei dem zu unterbrechen, was sie interessiert und das sein, was sie interessiert.“
– Craig Davis über Marketing

All diese Dinge recherchiere ich, bevor ich überhaupt mit dem schreiben anfange! Als Autor gibt es meiner Meinung nach kein zerschmetterndes Gefühl als nach der Veröffentlichung festzustellen, dass sich niemand, aber auch wirklich niemand, für sein Buch interessiert. Davon kann ich ein Lied singen - haha. Einige meiner ersten Bücher waren im Glauben, in der HOFFNUNG, geschrieben worden, dass sie gut ankommen würden. Seit jeher habe ich aber viel dazu gelernt und ich werde erst aufhören, wenn ich vom Schreiben leben kann! Für mich gibt es keine bessere Vorstellung, als die, täglich das tun zu dürfen was man liebt und davon auch noch leben zu können.

Helen:

Warum müssen Autoren deiner Meinung nach auch Marketer sein?

Ignatz:

Weil Bücher nur ein Produkt sind wie alles andere das man herstellen kann auch. Ein Produkt das nicht beworben wird bleibt ein unbekanntes Produkt. Ein unbekanntes Produkt kann keine Verkäufe erzielen. Und ohne Verkäufe wird schnell klar, dass das einfache schreiben nicht ausreicht um Bücher zu VERKAUFEN. Ich weiß das viele Autoren das nicht hören wollen. Sie wollen einfach nur schreiben und das kann ich gut nachvollziehen. Bei mir war es früher nicht anders. Doch müssen sie verstehen das eine Bestseller Auszeichnung nun mal eben „Am meisten VERKAUFTES Buch“ (in einer bestimmten Kategorie) bedeutet. Und nicht „Best GESCHRIEBENES Buch“. Erkennst du den Unterschied?

Gerade Self-Publisher müssen verstehen das sie im Großen und Ganzen SELBSTSTÄNDIGE sind. Sie müssen sich nicht nur von A-Z um das erstellen, sondern auch um das Vermarkten ihrer Bücher kümmern. Sollten sie zumindest. In der Realität tun die wenigstens dies jedoch wirklich Strategisch. Autoren können in vielen Fällen schreiben. Diese Fähigkeit haben sie drauf. Nun wird es Zeit sich um die Fähigkeit des Verkaufens zu kümmern. Sie zu erlernen, anzuwenden und zu verfeinern. Hoffentlich komme ich bis jetzt nicht so rüber als würde ich denken alles zu wissen. Das tue ich natürlich nicht. Effizientes Facebook-Marketing, Leads generieren (sprich E-Mails einsammeln) und damit wirkungsvolles E-Mail-Marketing zu machen sind z.B. alles punkte die ich noch lernen muss. Und mit der Zeit auch lernen werde. Warum? Weil ich weiß das ich keine Bücher verkaufen werde, wenn ich nicht weiß wie man VERKAUFT.

An dieser Stelle möchte ich übrigens erwähnen das ich mich auch schon in deinem tollen kostenlosen Newsletter zu diesem Thema eingeschrieben habe J

Weiter im Text: Einfach nur ein „gutes Buch“ zu schreiben reicht schon lange nichtmehr aus. Woher soll den jemand wissen das dein Buch gut ist, wenn bisher nicht genügend Leser es kauften um die frohe Kunde zu vermitteln?

Verstehe mich nicht falsch, das Werk eines Autors muss gut sein damit es sich nach einiger Zeit des Marketings von alleine über Wasser hält. Schlechtgeschriebene Bücher werden auf lange Sicht keine Verkäufe erzielen. Aber einfach nur ein Buch zu veröffentlichen (dabei vielleicht sogar noch das Cover selbst zu machen) und zu denken, nein…. zu HOFFEN das es sich von selbst verkauft und die Leser das Buch schon „irgendwie“ von alleine finden werden, ist eine denkweiße der ich mich inzwischen entledigt habe.

Helen:

In welche Marketingaktionen würde man am besten Geld investieren? Wie kann man als Autor das Risiko abschätzen?

Ignatz:

Zuerst einmal: Man muss nicht gleich mit bezahlten Marketingaktionen beginnen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten kostenloses Marketing zu betreiben, auch wenn diese von einigen Online-Marketern verpönt werden, weil behauptet wird man müsse ja unbedingt Tools wie FacebookAds und andere bezahlbare Optionen nutzen. Doch die Wahrheit ist das ich bereits viele Online-Marketer kennenlernen durfte die schwindelerregende Umsätze mit kostenlosen Marketing Methoden erreichten.

Doch haben kostenlose und bezahlbare Strategien ihre Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil bei kostenlosen Aktionen ist wohl der eigene Zeitaufwand der investiert werden muss. Wodurch natürlich die Zeit zum schreiben neuer Bücher darunter leidet.

Zwei Kostenlose Beispiele:

Werde aktiv in Facebook-Gruppen und Foren die zu Themen deines Buches passen. Achte darauf deine Facebook-Autorenseite oder deine Homepage auf deinem regulären Profil verlinkt zu haben. In Foren sind links zu solchen Seiten teilweise nicht erlaubt. Sobald du nach einigen Beiträgen also die Optionen freischaltest deine Signatur unter jedem Post stehen haben zu können. Dann füge dort Infos über dich ein. Wenn du nach einiger Zeit (und hilfreichen Beiträgen) den Admin anschreibst und um die Erlaubnis bittest in deiner Signatur auch einen Link zu einer deiner Autoren Seiten zu verlinken, dann wirst du bei einigen Admins mit ein wenig Glück und Sympathie zugelassen werden. Bei anderen nicht. Das Ganze ist von Forum zu Forum unterschiedlich.

Was ein Autor bei Facebook bitte nicht mehr tun sollte!

Weißt du was verschwendete Energie und Zeit ist? In Facebook-Gruppen links zu seinen Büchern zu posten.

  1. Self-publisher sind meist in den falschen Gruppen. Man muss versuchen sich in FB-Gruppen zu etablieren in welchem sich die ZIELGRUPPE befindet. Eine Gruppe voller Autoren die andauernd links zu ihren Büchern postet, wird dir keine Verkäufe einbringen. Wie auch? Die Mitglieder der gruppe haben alle nur das gleiche Ziel - zu verkaufen, nicht zu kaufen. Kein Wunder also das meist keine große Interaktion in deinen Beiträgen entsteht, in welchen Autoren ihre Werke bewerben.
  2. Die Art der Posts muss stimmen. Wenn du nicht-fiktive Bücher schreibst poste Inhalte mit Mehrwert, bevor du jemandem dein Buch „empfiehlst“. Wenn du fiktive Bücher schreibst, dann sollte dein Post aus „storytelling“ bestehen. Sei es eine mitreißende Story die etwas über dein Buch erzählt oder eine Story die dem Inhalt deines Werks ähnelt. Auf jedenfall muss sie neugierig machen.
  3. Poste Bilder zusammen mit deinem Post. Schöne und neugierig auf mehr machende Bilder. Der erste Blick gilt immer dem Bild (oder sogar noch besser dem Video), danach der Überschrift deines Textes (User denkt sich: „Wird dieser Text meine Zeit wert sein?“ und „Wird es etwas sein für das ich mich interessiere?“) und zum Schluss erst deinem Text.

 

Es gibt noch einige weitere Kostenlose Möglichkeiten, aber kommen wir nun zu deiner eigentlichen Frage. Bin wiedermal etwas abgeschweift 😀

Um das Risiko zu vermeiden rechne ich mir meine Chancen einfach aus

Zu 100% werde ich es nie wissen können. Aber am folgendem Beispiel kann ich es immerhin ziemlich gut abschätzen:

Bleiben wir mal bei YouTube-Video Kooperationen. Wenn ich z.B. abschätzen kann das das produzierte Video innerhalb eines Monats um die 10.000 Aufrufe bekommt, dann weiß ich das ich mit einer durchschnittlichen CTR (Click Trough Rate) von 3% rechnen kann. Das bedeutet das von 10.000 Zuschauern im Durchschnitt 3% auf den link in der Beschreibung klicken werden. Das macht in unserer Rechnung 300 Klicks. Wenn dort jetzt ein Buch mit genügend Rezensionen zu sehen ist und einige davon auch gelesen werden, dann verkauft es sie in den meisten Fällen auch. Deswegen rechne ich an dieser Stelle nicht die Leute mit ein die kurz vor dem Kauf noch „abspringen“.

Immerhin rechne ich bereits mit einer CTR von 3%. Diese kann von Video zu Video und Monat zu Monat natürlich auch höher oder niedriger ausfallen. Wenn ich mich aber einfach mal an diesen Wert halte, dann multipliziere ich die Provision die ich pro Buch (oder eBook) bekomme in diesem Fall mit 300 und weiß wieviel einnahmen ich im Durchschnitt bei 10.000 aufrufen machen würde. Beziehe ich dann mit ein wie viel mich die Kooperation kostet und behalte im Hinterkopf, dass das Video mehrere Monate bis hin zu mehreren Jahren auf den Channel des Influenzers sein wird, und dieser mit der Zeit natürlich immer mehr wächst. Dann kann ich daraus abschätzen ob sich eine Kooperation lohnt oder nicht.

Ich hoffe das ergibt soweit Sinn 🙂

Helen:

Woher weiß du ob sich eine Marketingmaßnahme auszahlt?

Ignatz:

Zum einen natürlich aus dem oben genannten Grund. Und zum anderen aus folgenden Punkten:

  • Wichtigster Punkt: Ist der Ton optimal? (Keine seltsamen lauten oder leisen Geräusche. Keine Störgeräusche)
  • Spricht der Influenzer authentisch und begeistert von deinem Buch? Oder merkt man das er nur Worte sucht um das Video zu füllen?
  • Hat die Aufnahme grobe inhaltliche Fehler?
  • Ist in der Beschreibung dein Buch richtig verlinkt und wurden dort auch links zu deiner Homepage platziert?
  • Nutzt du ein Tool wie z.B. MailChimp? Dann bietet sich dir die Möglichkeit die E-Mails interessierter Zuschauer einzusammeln (hier am besten immer irgendwas kostenlos zum Angebot haben. Also Email im Austausch durch kostenlose Inhalte.) Dadurch wirst du nicht nur einige oder viele Verkäufe machen, sondern auch später deine zukünftigen Bücher leichter unter die Leute bringen können.
  • Gibt es starke Probleme mit der Qualität der Aufnahme? Es muss nicht immer in FULL HD sein und aussehen wie etwas MEGA professionelles. Die meisten Smartphones heutzutage bieten dir bereits eine angemessen Aufnahme Qualität mit der sich arbeiten lässt… Wichtig sind in den meisten Fällen nur wie gesagt ein sehr guter Ton und die richtige Beleuchtung der Aufnahme. Solltest du einen Mini-Mikro-Influenzer benutzen (weil er technisch gesehen kostenlos war), dann weiße ihn/sie auf einige dieser punkte hin.

Diese Punkte sollten beachtet werden BEVOR das Video online geht. Und falls etwas nach dem online gehen nicht ganz stimmig ist, kann man immer noch darum bitten das es geändert wird (sprich es muss auch neu-hochgeladen werden. Dabei muss man aber bedenken das sich alle aufrufe, Kommentare, Shares und likes in Luft auflösen. Man sozusagen von vorne beginnt.)

Helen:

Welche Marketingmaßnahme wird deiner Meinung nach "The next big thing"?

Ignatz:

Haha. Vielleicht mag dieser Artikel das Licht auf mich werfen „Der hat ja ziemlich viel Ahnung von Marketing“. Die Wahrheit ist: Was den Aspekt des Influenzer-Marketings angeht habe ich einiges an praktischem wissen sammeln können, ja. Aber ich stehe noch so ziemlich am Anfang dessen was ich noch lernen will. Ich will noch so vieles lernen:

Eine schöne und gut gemachte Homepage, effizientes Facebook-Marketing, E-Mail-Marketing, Salesfunnels und Landingpages, Affiliate-Marketing und eine weitere Vertiefung des Influenzer-Marketings.

All diese Dinge stehen noch auf meiner To-Do-Liste. Und weißt du was? Ich habe kein Problem damit meine Zeit, Arbeit und Energie in diese Themen zu stecken. Weil ich weiß das ich ansonsten niemals von meinen Buch Verkäufen leben werden kann. Und das ist was ich anstrebe. Jemand der Self-Publishing lediglich als Hobby ansieht, muss sich gewiss nicht mit all diesen Dingen auseinandersetzen.

Ich könnte jetzt anfangen rumzuphilosophieren. Aber ich bin kein Freund davon über Dinge Ratschläge zu geben von denen ich keine Ahnung habe.

Gary Vaynerchuk‘s Prognose nach liegt die Zukunft des Marketings im Audio-format. Sprich Dinge wie Podcasts und so weiter.

Die meisten Menschen wollen in ihrem Alltag nicht durchs lesen oder anschauen von Videos „unterbrochen“ werden. Jemand der etwas in seinem normalen Alltag tut ist allerdings durchaus in der Lage nebenbei jemandem beim Reden zuzuhören und dadurch seinen Horizont zu erweitern, ohne das ihm dabei die Zeit flöten geht.

Wie, wann und ob sich das ganze am Ende entwickelt will und kann ich nicht sagen.

Ich bedanke mich nochmal für die Chance solch ein interessantes interview geführt haben zu dürfen. Und wünsche allen Autoren dort draußen (ob Self-Publisher oder nicht) viel Erfolg beim Marketing!

- Ignatz Rajher

 

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