Ein neuer Verlag für den Bereich Mystic, Magie und Fantasy – was sind die neuen Herausforderungen für Verlage und wie stellt sich der Schwarzer Drachen Verlag in der Zeit von Social-Media auf? Diese und weitere Fragen werden im folgenden Interview zwischen Helen Schmidt, Buchvermarktung, und Sandra Schwarzer vom Verlag beantwortet.

Gründung: Januar 2016
Genre: Fantasy

Inhaber: Sandra und Michael Schwarzer

Homepage: https://www.schwarzer-drachen-verlag.de

Social Media Profile

      

Helen:
Euer Verlag ist gerade 2 Jahre alt geworden. Wie hat sich in dieser Zeit eure Arbeit im Online-Marketing-Bereich verändert oder erweitert?

SDV:
In der ersten Zeit haben wir, wie man das eben immer so gemacht hat, auf Outbound-Marketing gesetzt. Diese Form von Werbung hat aber in unserer digitalen Zeit längst ihren Stellenwert verloren.

Mal ehrlich – wer von uns Menschen steht schon morgens auf und denkt sich: »So ein bisschen Werbung, das wär‘s jetzt!«?

Richtig, keiner mag Werbung. 87 Prozent schalten bei Fernsehwerbung um, 45 Prozent der Menschen lassen Postwurfsendungen ungeöffnet. 84 Prozent verlassen eine Webseite wegen exzessiver Werbung, 198 Millionen Menschen benutzen einen Ad-Blocker.
Die Zeiten sind ganz anders geworden, die Menschen suchen sich durch die digitalen Medien ihre Produkte lieber selbst – und das von Menschen, nicht von irgendeiner Webseite, sondern dort, wo sie Menschen finden, denen sie vertrauen.

Helen:
Welchen Stellenwert hat der Bereich „Online-Marketing“ im gesamten Marketingprozess eures Verlages?

SDV:
Wir setzen auf Inbound-Marketing. Wir geben unseren Kunden/Lesern einen Mehrwert, haben Kontakt zu ihnen und bauen dadurch eine Beziehung zu ihnen auf. Natürlich geht das nicht von jetzt auf gleich, aber trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen sollten. Wir arbeiten daran, dass sie bei uns immer einen Mehrwert bekommen in Form von Free-Books, durch Interviews mit den Autoren – ein Blick hinter die Kulissen sozusagen.
Da wird sich in der nächsten Zeit noch einiges tun, wie gesagt, noch stecken wir da in den Anfängen.

Helen:
Welche Online-Unterstützung kann ein Autor bei euch erwarten?

SDV:
Bei Social-Media sind wir im Aufbau, das ist auch ein wichtiger Aspekt. Wir können eine Landingpage fürs Buch bzw. eine Autorenseite erstellen, wir haben den Blog, auf dem die Bücher vorgestellt werden.
Und dann machen wir natürlich bei Ausschreibungen zu Buchpreisen mit, die wir online einreichen und bewerben.
Eine Idee von mir ist, Online-Interviews zu machen. Oder Online-Lesungen. Nicht eine Stunde lang aus dem Buch lesen, nein, kurze Passagen, vielleicht mit einer kleinen Erklärung, wie die Idee dazu entstand, und der Möglichkeit, in den Kommentaren direkt den Autor/die Autorin zu befragen. Dem Leser dadurch einen Mehrwert bieten, etwas geben, statt etwas zu wollen …
Da kommt, wie gesagt, noch so ein bisschen was.
Wir sind dabei, die Strukturen hier neu zu definieren.

Helen:
Welcher Social-Media-Kanal funktioniert für euch am besten? Wie sind eure Erfahrungen in der Online-Welt?

SDV:
Ich persönlich finde „Instagram“ genial. Und die Blogs. Aber Facebook funktioniert auch immer noch gut. Wir werden sehen, wie das mit den neuen Strukturen läuft, dann kann ich mehr sagen.

Helen:
Wie muss sich die Buchbranche verändern, um den heutigen Anforderungen der Leserschaft gerecht zu werden?

SDV:
Das ist wieder das Thema „Werbung“. Die Branche muss einen Mehrwert liefern, nicht nur durch »Kauf mein Buch« versuchen, die Aufmerksamkeit zu bekommen.
Außerdem, man muss das ganz klar sagen – auch wenn alle immer noch sagen (ich bin da übrigens gar keine Ausnahme), sie mögen lieber Print –, digital ist und bleibt Fortschritt.
Wir haben da zum Beispiel ein ganz tolles Projekt in diesem Jahr – eines unserer Kinderbücher – »Zwergberg« von Martin M. Uhland – kommt als interaktives Buch heraus. Ich bin schon sehr gespannt.

Helen:
Wo seht ihr die größten Chancen und Risiken für das Buch-Marketing im Online-Bereich?

SDV:
Die neuen Technologien haben uns als Kunden mehr Macht gegeben. Wir entscheiden heute selbst.
Nein, diese Macht hatten wir nicht immer schon – schau mich nicht so an, das war früher tatsächlich ein bisschen anders. Werbung arbeitet mit Spuren in unserem Unterbewusstsein, und damit haben die Großen jeder Branche immer mehr Erfolg gehabt, als alle Kleinen. Denn wenn das Budget groß ist, kann man viel mehr Spuren legen, als mit kleinerem Budget.
Heute aber verändert sich das, denn heute konsumieren wir nur noch das, was wir wollen. Richtig?
Deshalb ist Inbound-Marketing auch so eine schöne Sache – hier bekomme ich hochwertigen Inhalt (hochwertig insofern, dass ich damit etwas anfangen kann), und das, ohne dass mir unbedingt etwas verkauft werden soll.
Ich denke, Blogs sind da zum Beispiel eine tolle Sache.

Helen:
Eure Internetseite ist für den Leser gut strukturiert, ihr betreibt einen Blog und bietet Lesern sogar kostenlose E-Books an. Wie viel Zeit plant ihr für eure Online-Aktivitäten ein?

SDV:
In Zukunft mehr, wie gesagt, die Strukturen … ach, du weißt schon …
Aber ganz ehrlich, das macht mir auch unheimlich viel Spaß.

Helen:
Wie empfindet ihr die Online-Kommunikation mit Autoren, Bloggern und Lesern?

SDV:
Da wir in erster Linie online arbeiten, finde ich sie gut bis sehr gut. Allerdings fehlt es häufig an Zeit, deshalb dauert es teilweise eine Weile, bis eine Antwort kommt. Das tut mir dann leid.

Helen:
Ihr arbeitet mit Buch-Bloggern zusammen. Wie sind eure Erfahrungen in diesem Bereich?
Lohnt sich eine Blog-Tour? Werden neue Werke gleich rezensiert? Ist die Reichweite durch die Buch-Blogger deutlich erhöht?

SDV:
Wir haben fantastische Blogger. Sie lesen und rezensieren danach ehrlich, keine Schönmalerei. Das ist absolut perfekt so und auch ein Mehrwert für unsere Leser und Kunden. In diesen Bereich möchte ich auch unbedingt noch mehr Zeit investieren. (Gibt es eigentlich schon die Möglichkeit, sich zu klonen? Sag mir unbedingt gleich Bescheid, wenn du so etwas hörst …)
Der Mehrwert hier ist eindeutig für den Kunden – er muss keine »Katze im Sack« kaufen, sondern kann sich erst mal erzählen lassen, wie das Buch denn so ist.

Helen: Was haltet ihr von der Möglichkeit, eine Blogger-Challange zu organisieren, um euer Verlagsprogramm zu verbreiten?

SDV:
Bin begeistert!!!

Helen:
Was haltet ihr von Online-Lesungen? Seht ihr hier einen Vorteil zu einer Vor-Ort-Lesung?

SDV:
Hier sehe ich einen eindeutigen und großen Vorteil. Live-Stream-Lesungen oder Aufzeichnungen, die man sich bequem vom Sofa aus anschauen kann, vielleicht mit ein paar gleichgesinnten Freunden bei einem guten Glas Wein. Oder mit Laptop im Gartenstuhl – wie klingt das für dich?

Helen:
Als Verlag bietet ihr Autoren eine solide Basis für den Vertrieb ihrer Bücher an. Welche Leistungen kann ein Autor von eurem Verlag erwarten?

SDV:
Nun, wir kümmern uns um Lektorat und Korrektur, erstellen in Absprache mit dem Autor/der Autorin das Cover, machen den Buchsatz, stellen das fertige Buch überall, auf allen Plattformen ein. Wir verschicken Pressemitteilungen und machen Marketing.
Leider sind wir noch nicht so schnell in unseren Abläufen, da wir ein kleiner Verlag sind, verschieben sich aus Zeitmangel oft die einen oder anderen Termine.

Helen:
Welchen Tipp möchtet ihr Autoren mit auf den Weg geben?

SDV:
Denkt bitte über Inbound-Marketing nach. Bombardiert eure Leser nicht mit »Kauf-mich-Werbung«, sondern gebt ihnen etwas – völlig gratis. Schenkt ihnen ein Kapitel oder beschreibt den Werdegang, die Idee des Buches. Oder: Über ein kurzes Video freuen sich fast alle Leute.

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